Eine Doku. Am Laptop? Geht nicht. Geht doch?
Bildschirm an. So viele Eindrücke. Hallo Überforderung.
Geschichten, Textnachrichten, Zeitungsartikel, Videos … Videos?
Bildschirmaufnahmen!
Collagen: Erzählungen, Bilder, Illustrationen, Stimme.
Also Dokumentarfilme. Recherchiert, ausgewählt, zusammengeschnitten.
Alles auf einem Desktop? Ja. Alles auf einem Desktop.
Wir nehmen die Welt wahr, indem wir uns einloggen. Wir öffnen Apps, starten eine Suche, laden hoch, posten einen Kommentar, ein Bild, hinterlassen Nachrichten.
Viele unserer Verbindungen zur Welt sind über digitale Endgeräte vermittelt. Der Desktop – ob Computer oder Smartphone – ist zu einem wichtigen Interface zwischen uns und den Anderen geworden. Desktop Documentaries tragen diesem Zustand Rechnung: Sie bilden unsere von digitalen Netzwerken geprägten Sehgewohnheiten nicht nur ab, sondern begreifen den Computer selbst als Medium und „Kameraauge“, durch das hindurch Bilder zugänglich, generiert, bearbeitet und kommentiert werden.
Seit ein paar Jahren entstehen immer mehr Dokumentarfilme, die mit dieser „Bildschirm-Realität“ neue dokumentarische Erzählungen entwickeln. Dabei emanzipieren sich Desktop Documentaries weitestgehend von professionellem Produktions-Equipment. Tatsächlich braucht es nicht mehr als einen PC oder ein Handy, einen Internetzugang und eine Screen-Saving-Software, um loszulegen. Und sie brechen mit dem Versprechen unverstellter Unmittelbarkeit: Wer die Welt über den eigenen Desktop in den Blick nimmt, erzählt die medialen Rahmenbedingungen (des Erfahrens) dieser Realität immer schon mit. Inklusive der (un-)bewussten blinden Flecken und der durch Algorithmen hervorgerufenen Setzungen und Auslassungen. Denn anders als bei klassischen Dokumentarfilmen sind die Produktionsbedingungen „part of the game“ und werden häufig im Film explizit thematisiert.
Haben wir es hier mit einer neuen Transparenz dokumentarischer Verfahren zu tun?
Oder verschieben sich die Authentifizierungs-Strategien und Unmittelbarkeitsbehauptungen auf eine andere Ebene? Sind Desktop-Documentaries die Antwort der Film- und Kinokultur auf Youtube, TikTok und Zoom?
Der Workshop RADIKAL | REFLEXIV geht gemeinsam mit der DOK-Leipzig Kuratorin Luc-Carolin Ziemann der Frage nach, wie Kino und dokumentarische Filmkultur im digitalen Zeitalter sich und uns verändern. Die Ergebnisse und Euren Blick auf Desktop-Dokus stellt ihr bei DOXS RUHR (27.10. –9.11.25) gemeinsam mit Filmgäst*innen vor.
WORKSHOP-LEITUNG
Luc-Carolin Ziemann lebt und arbeitet in Leipzig als Filmvermittlerin, Kuratorin und Dramaturgin. Ihr Herz schlägt dabei ganz besonders für den Dokumentarfilm und experimentelle Formen filmischen Erzählens. Außer guten Filmen liebt sie Musik, Reisen, Wasser in jeder Form, Yoga, gute Diskussionen, Bücher, Tanzen, Fernsicht, ihr Fahrrad und Sonnenaufgänge.
WO & WANN?
Kino im Stadtarchiv Bochum (Wittener Str. 47) | 5. Juli 2025: 10.45 Uhr bis 17.15 Uhr
Quartiershalle in der KoFabrik (Stühmeyer Str. 33) | 6. Juli 2025: 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr
INFORMATIONEN
Die Teilnahme ist kostenlos und auf 10 Personen begrenzt. Eingeladen sind Interessierte im Alter zwischen 18 und 26 Jahren. Es ist kein Vorwissen nötig. Für Verpflegung sorgen wir.
ANMELDUNG bis 20. Juni 2025
Per mail: organisation@doxs-ruhr.de | Jamie Karasch (er/ihm; he/him)
www.doxs-ruhr.de / www.tiktok.com/@doxsruhr_kinoforyou / www.instagram.com/doxsruhr_kinoforyou